Claude Opus 5: fast Fable-Niveau zum halben Preis – sagt Anthropic
Anthropic bringt Claude Opus 5 – fast Fable-5-Niveau zum halben Preis, sagt der Hersteller. Artificial Analysis bestätigt inzwischen Platz 1 auf dem Intelligence Index, misst aber 26 % Ersparnis pro Task statt der Hälfte. Eine Einordnung mit Update.
Anthropic hat heute Claude Opus 5 veröffentlicht – das vierte Modell des Hauses in unter zwei Monaten, nach Mythos 5, Fable 5 und Sonnet 5. Die Ansage: fast die Frontier-Intelligenz von Fable 5, zum halben Preis. Opus 5 wird das neue Default-Modell auf Claude Max und das stärkste Modell im Pro-Abo. Getestet habe ich noch nichts, da das Modell zu diesem Zeitpunkt erst wenige Stunden verfügbar ist. Der Praxis-Check folgt alsbald.
TL;DR
Anthropic positioniert Opus 5 als Alltagsmodell knapp unter der eigenen Frontier – die Kernpunkte:
- Ab sofort verfügbar, 5 $ / 25 $ pro Million Input- / Output-Tokens – Preis unverändert zum Vorgänger
- State-of-the-art-Claims auf Coding- und Knowledge-Work-Benchmarks – ausschließlich herstellereigene Werte
- Effort-Settings steuern das Verhältnis von Leistung zu Token-Verbrauch
- Bei Biologie und offensiver Cybersecurity bewusst hinter Mythos 5; Cyber-Classifier greifen laut Anthropic rund 85 % seltener als bei Fable 5
- Update: Artificial Analysis misst Platz 1 auf dem Intelligence Index (61 Punkte, Fable 5: 60) – bei 26 % Ersparnis pro Task
Die Opus-5-Zahlen – und das Sternchen dran
Auf dem Papier liest sich das Release wie eine Machtdemonstration. Auf Frontier-Bench v0.1 verdoppelt Opus 5 laut Anthropic die Leistung von Opus 4.8 bei geringeren Kosten pro Task, auf CursorBench 3.2 landet es bei maximalem Effort innerhalb von 0,5 % des Fable-5-Spitzenwerts – für die Hälfte des Preises. Auf ARC-AGI 3, einem Benchmark für das Lösen unbekannter Probleme, soll der Score dreimal so hoch liegen wie beim nächstbesten Modell. Und auf OSWorld 2.0, einem Computer-Use-Benchmark, will Opus 5 das beste Fable-5-Ergebnis für gut ein Drittel der Kosten übertreffen.
Beeindruckende Ansagen. Nur stammen sie ausnahmslos aus dem eigenen Haus, teils von internen Benchmarks, die niemand außerhalb von Anthropic im Augenblick veröffentlicht oder unter Umständen gar nachgemessen hat. Die Kunden-Zitate von Cursor, Zapier und Devin im Announcement sind kuratierte Launch-PR und ersetzen keine neutrale Messung, so glaubwürdig einzelne Beobachtungen darin auch klingen.
Inzwischen liegt die erste unabhängige Messung vor. Artificial Analysis sieht Opus 5 (max) mit 61 Punkten knapp an der Spitze des Intelligence Index – vor Fable 5 (60), GPT-5.6 Sol (59) und Kimi K3 (57), praktisch ein Gleichstand ganz oben. Deutlicher wird es bei agentischer Wissensarbeit: Auf GDPval-AA v2 liegt Opus 5 mit 1.861 Elo mehr als 100 Punkte vor Fable 5 und GPT-5.6 Sol, auf dem hauseigenen AA-Briefcase sind es 146 Punkte Vorsprung. Zwei Dämpfer stehen daneben. Die gemessene Ersparnis pro Task gegenüber Fable 5 beträgt 26 % – von der Halbierung aus dem Announcement bleibt gut die Hälfte übrig. Und flott ist das Ganze auch nicht, bei maximalem Effort vergeht im Schnitt über eine Minute bis zum ersten Token. Der Vollständigkeit halber – Artificial Analysis hatte Vorabzugang und hat Anthropic beim Pre-Release-Testing unterstützt.
Der Effort-Regler als eigentliches Produkt
Interessanter als die Benchmark-Schlacht ist die Ökonomie dahinter. Opus 5 kostet exakt so viel wie sein Vorgänger, und über den Effort-Regler lässt sich steuern, wie viele Tokens das Modell in eine Aufgabe steckt – von sparsam bis maximal. Anthropic behauptet, selbst auf der niedrigsten Stufe schlage Opus 5 auf Zapiers AutomationBench alle anderen Modelle. Herstellerwert, klar, aber die Stoßrichtung ist eindeutig.
Die Effort-Staffelung hat Artificial Analysis gleich mitgemessen. Der Intelligence Index klettert von 51 bei low über 56 bei medium und 59 bei high auf 61 bei max – medium liegt damit auf dem Niveau von Opus 4.8 mit maximalem Effort. Der Regler tut also messbar, was er verspricht. Bestätigt ist nebenbei das Kontextfenster von 1 Million Tokens, gleichauf mit dem Vorgänger.
Das ist eine direkte Antwort auf die Kritik der letzten Wochen. Fable 5 fiel bei Business-Kunden nicht nur durch Leistung auf, sondern durch seinen Token-Hunger – Fortune berichtet von Nutzern, die ihre Budgets in Rekordzeit durchgebrannt haben. Schon Sonnet 5 kam mit einem Token-Haken beim Preis, und seit Kimi K3 die Billig-Ära für beendet erklärt hat, konkurrieren die Anbieter weniger über den Listenpreis als über die Kosten pro erledigter Aufgabe. Genau auf dieser Achse positioniert Anthropic das neue Modell.
Wer es eilig hat, bekommt Opus 5 im Fast mode mit etwa 2,5-facher Geschwindigkeit – zum doppelten Basispreis. Dazu kommen zwei Beta-Features auf der Claude Platform, die eher Entwickler freuen dürften: Tool-Wechsel mitten in der Konversation ohne Cache-Invalidierung und automatische Fallbacks, wenn Safety-Classifier einen Request blocken.
Sicherheit mit eingebauter Arbeitsteilung
Bei den heiklen Fähigkeiten fährt Anthropic eine bewusste Zweiteilung. Opus 5 bleibt bei Biologie-Forschung und offensiver Cybersecurity hinter Mythos 5 zurück – und das ist Absicht, kein Unfall. Auf Cyber-Aufgaben wurde das Modell gar nicht erst trainiert. Trotzdem ist es durch die allgemeine Leistungssteigerung beim Finden von Schwachstellen inzwischen fast auf Mythos-Niveau angekommen, während es beim Bauen von Exploits deutlich zurückliegt. Anthropic zeigt das an der eigenen OSS-Fuzz-Evaluation, und auch hier gilt das Sternchen.
Praktisch relevanter: Die Cyber-Guardrails sollen rund 85 % seltener anschlagen als bei Fable 5. Geblockte Anfragen fallen in Claude.ai, Claude Code und Claude Cowork per Default auf Opus 4.8 zurück, statt einfach zu scheitern. Nach dem Fable-5-Drama im Juni – CNBC zufolge musste Anthropic das Modell wegen einer Export-Control-Anordnung zeitweise vom Markt nehmen, laut Fortune nachdem Amazon-Forscher die Safeguards umgangen hatten – wirkt diese Vorsicht weniger wie Prinzipienreiterei und mehr wie gelernte Lektion.
Einordnung
Die eigentliche Geschichte dieses Releases ist nicht technisch, sondern ökonomisch. Anthropic sortiert sein Portfolio in zwei Rollen – Fable 5 als Frontier für die harten, tagelangen Autonomie-Jobs, Opus 5 als Arbeitstier für alles andere. „Designed to be used every day" steht wörtlich im Announcement, und das ist als Positionierung ernst zu nehmen. Der Wettbewerb verschiebt sich von „wer hat das klügste Modell" zu „wer erledigt die Aufgabe zum niedrigsten Preis", und auf diesem Feld tritt Opus 5 mit unverändertem Listenpreis und aggressiven Kosten-pro-Task-Claims an.
Die ersten unabhängigen Zahlen bestätigen die Richtung – Platz 1 auf dem Intelligence Index, klarer Vorsprung bei agentischer Wissensarbeit, aber eben 26 % Ersparnis pro Task statt der suggerierten Hälfte. Was jetzt noch fehlt, ist der Alltag in echten Pipelines. Beim Vorgänger passte die Selbstbeschreibung am Ende erstaunlich gut zur Realität – hier stimmt zumindest die Tendenz schon wieder.
Vorläufiger Take: Ein Modell, das Fable-Leistung zum Opus-Preis verspricht und nebenbei den Token-Frust der eigenen Kundschaft adressiert, ist strategisch das klügste Release dieser Serie. Ich teste, sobald ich dazu komme – immerhin stammen die hübschen Charts inzwischen nicht mehr nur vom Hersteller.